Badespaß für alle

Projekt
Stadtsee in Horn
Eigentümer
Stadtgemeinde Horn
Planung
YEWO Landscapes GmbH, kpp consulting GmbH, Hydro Ingenieure Umwelttechnik GmbH
Autorin
DI Barbara Reiberger
Fotos
Romana Fürnkranz
Erstveröffentlichung

Stadtsee in Horn

Bei der Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Naturfreibads Horn war der freie sowie uneingeschränkte Zugang für ALLE von zentraler Bedeutung. Bisher war das einst eingezäunte Freibad nur kostenpflichtig und bloß in den Sommermonaten nutzbar. Den Landschaftsplanern YEWO Landscapes gelang es, gemeinsam mit der Stadtgemeinde Horn, ein belebtes sowie attraktives Ufergebiet mit vielen Aufenthaltsqualitäten zu schaffen.

Der einstige Badeteich wurde vor rund 150 Jahren im nördlichen Stadtteil von Horn künstlich angelegt. Ursprünglich wurde er als Fischteich genutzt. Damals wie heute ist er in zwei Becken unterteilt. Gespeist wird der Badeteich vom Mördingbach, der über eine neu errichtete Filteranlage geführt wird. Bepflanzungen im nördlichen Wasserkörper verbessern zudem die Wasserqualität. Im Anschluss an diesen Aufbereitungsprozess, wodurch eine Trinkqualität erreicht wird, fließt das Wasser in das Südbecken. Bereits bei der Planung war es den Fachplanern wichtig eine ausgezeichnete Wasserqualität zu erreichen.

Calas-Reiberger-Baukulturvermittlung-Stadtsee-003
Die Seilziehflöße sorgen für aktiven Wasserspaß.

Ein Stadtsee für alle

Charakteristische Merkmale der Neugestaltung sind die großzügigen Holzdecks. Diese sind als verbindendes Element zwischen Land und Wasser zu verstehen. Sie erleichtern den Zugang zum Wasser und bieten Platz zum Verweilen am Ufer. Unterschiedlichste Zonierungen sowie Nutzungsmöglichkeiten wurden dadurch geschaffen: Ein geschützter seichter Kleinkinderbereich samt Wasserspielen, Seilziehflossen für aktiven Wasserspaß, Inseln, Holzstege sowie Sitzstufen, die die Nähe zum Wasser verstärken, sorgen für eine breite Palette an Nutzungsmöglichkeiten. Entlang der Uferränder sind immer wieder Holzdecks angedockt. In der Mitte des Stadtsee-Areals ist der Gastrobereich „Seedeck“ angesiedelt. Dieser wird in den Sommermonaten um eine Beachbar erweitert, wodurch eine Nutzung in Badebekleidung ermöglicht wird. Die markante Seebühne befindet sich ganz im Norden und bildet den Abschluss der Funktionen am Stadtseeufer. In der nordöstlichen Ecke ist eine kleine Aussichtsplattform errichtet worden. Von dort aus behält man die gesamte Anlage gut im Überblick.

Für die sportlichen Gäste gibt es neben einer 100 Meter langen Schwimmbahn auch außerhalb des Wassers einiges zu entdecken. Die Fitness-Allee ist mit verschiedensten Outdoor-Sportgeräten ausgestattet. Ein Beachvolleyball-Feld sowie ein Kinderspielplatz sorgen für genügend Abwechslung. Liegeflächen samt Ruhezonen mit Hängematten ergänzen das Freizeitangebot. Abgesehen vom Badespaß an heißen Sommermonaten ist der Stadtsee jederzeit zum Flanieren und Verweilen am Ufer zugänglich. Im Winter wird der zugefrorene See zum Eislaufpatz.

Für die Materialwahl der Decks entschied man sich bewusst für Lärchenholz, das auf natürliche Weise altert, seine Farbe verändert und dadurch gemeinsam mit dem See „lebt“, erklären die Landschaftsplaner. Einige Uferzonen sind mit Kies ausgeführt, wodurch der Einstieg ins Wasser erleichtert wird. Uferbepflanzungen sowie andere Stauden und Gräser lösen die harten Kanten auf und sorgen für einen natürlichen Charakter.

Calas-Reiberger-Baukulturvermittlung-Stadtsee-006
Gegenüber dem Stadtsee befindet sich das 1959 erbaute Canisiusheim für angehende Priester mit luftig abgesetztem Dachgeschoss und anschließender Kapelle.

Der Stadtsee als „Grüne Lunge“

Der bereits bestehende Baumbestand blieb erhalten und wurde ergänzt. Die großen Baumkronen sorgen in den heißen Sommermonaten für angenehme, schattige Plätze. Hitzeinseln werden dadurch vermieden. Auch die Farbwahl spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle: Helle Materialien reflektieren die Sonnenstrahlen, wodurch die Erhitzung des Belages verringert wird. Die neu errichteten Fuß- und Radwege wurden mit einem versickerungsfähigen Belag ausgestattet, der zugleich das Oberflächenwasser vor Ort speichert und für Pflanzen wieder verfügbar macht. Versiegelte Flächen wurden großteils vermieden. Bei starken Regenfällen behält der Boden daher seine natürliche Wasseraufnahmefähigkeit. Mit all diesen Maßnahmen gelingt an warmen Sommertagen eine Abkühlung des umliegenden Stadtteils. Kurzum: Der Stadtsee funktioniert als „Grüne Lunge“. Ein Umdenkprozess, dem sich die Planer und Entscheidungsträger der immer heißer werdenden Städte und der damit einhergehenden urbanen Hitzeinseln stellen müssen.

Natürliches Upgrade

Im Sommer des Vorjahres wurde der Stadtsee feierlich eröffnet. Die ersten positiven Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, erzählten die Landschaftsplaner: „Dank euch ist der Badeteich ein Badesee, so wie ich ihn mir immer gewünscht habe!“. Sogar das Interesse an privaten Swimmingpools ist zurückgegangen. Eine ressourcenschonende Entwicklung, die von den Bewohnern gut angenommen wird, wie der abschließende Kommentar zeigt:

„Den Sommer halte ich so ganz leicht aus – jeden Tag schwimmen, zu Mittag und nach der Arbeit und wenn ich früh dran bin, auch am Morgen – es ist einfach paradiesisch!“

Hier finden Sie weitere Artikel zum Thema Baukultur in Niederösterreich

Sanierung und Wohnraumerweiterung in Gaindorf

Mauritiushof in Spitz an der Donau

Weingut Michael Bauer in Mitterstockstall

Sie planen ein Projekt oder möchten mehr über meine Arbeit erfahren?

Schreiben Sie mir gerne. Ob Umbau, Sanierung oder Baukulturvermittlung – ich freue mich auf Ihre Nachricht.