Weinviertler Hof neu belebt

Projekt
Sanierung und Wohnraumerweiterung in Gaindorf
Eigentümer
Privat
Planung
Kinastberger Dach/Holz/Bau GmbH & DI (HTL) Wolfgang Tillich
Autorin
DI Barbara Calas-Reiberger
Fotos
Romana Fürnkranz
Erstveröffentlichung

Sanierung und Wohnraumerweiterung in Gaindorf

Ein alter, typischer Weinviertler Hof in Gaindorf hat eine bemerkenswerte Verwandlung erfahren. Über mehr als drei Jahrzehnte wurde die heruntergekommene Hofanlage Schritt für Schritt saniert – mit Respekt vor der gewachsenen Struktur und einem feinen Gespür für das Zusammenspiel von Alt und Neu.

Im nördlichen Weinviertel, wo sich sanfte Hügellandschaften mit weiten Feldern abwechseln, liegt das Straßendorf Gaindorf. Die Ortschaft ist geprägt von langgestreckten Bauernhöfen, die sich entlang der Dorfstraße aneinanderreihen. Charakteristische Putzfassaden in hellen Farbtönen, Walmdächer und großzügige Einfahrtstore zeugen von der jahrhundertelangen landwirtschaftlichen Tradition. Eingebettet in diese dörfliche Struktur findet sich ein Bauernhof, dessen Geschichte bis ins Jahr 1798 zurückreicht.

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Die neu gestaltete Hofanlage mit der gepflanzten Linde, die an heißen Sommertagen Schatten spendet.

Historische Entwicklung

Die Geschichte des Hofes reicht über zwei Jahrhunderte zurück. Ursprünglich als klassischer Weinviertler Bauernhof angelegt, beherbergte er einst Wohngebäude, Stallungen für Kühe, Pferde und Schweine sowie Scheunen und Geräteschuppen. Die traditionelle Hofstruktur mit dem charakteristischen großen Einfahrtstor zur Straßenseite – typisch für Bauernhäuser dieser Zeit – blieb über Generationen erhalten. Doch das 20. Jahrhundert hinterließ seine Spuren: Kriegsschäden und die Tatsache, dass ein altes Ehepaar den Hof zuletzt nicht mehr voll bewirtschaften konnte, ließen die Bausubstanz zusehends herunterkommen. Nach dem Tod der letzten Bewohner stand das Anwesen leer.

Als die heutigen Besitzer den Hof im Jahr 1992 erwarben, stand er vor einem Wendepunkt. Die Entscheidung fiel für eine behutsame, schrittweise Sanierung, die den Charakter des historischen Ensembles bewahren sollte.

Behutsame Instandsetzung

Die Sanierung erfolgte über viele Jahre hinweg, Schritt für Schritt und immer mit Respekt vor der gewachsenen Struktur. Dabei setzten die Bauherren konsequent auf lokale Handwerker, darunter auch Betriebe aus dem Ort selbst. In den ersten Schritten wurde der straßenseitige Wohntrakt in Angriff genommen. Als nächstes erfuhren die ehemaligen Stallungen eine bemerkenswerte Transformation: Wo einst Kühe und Pferde untergebracht waren, entstanden Schlafzimmer und Badezimmer. Das Kappengewölbe, das ursprünglich zum Stall gehörte, blieb erhalten und verleiht den neuen Wohnräumen einen ganz besonderen Charakter.

Die historischen Kastenfenster blieben dem Gebäude erhalten und prägen heute noch das Erscheinungsbild. Besondere Sorgfalt galt den alten Innentüren: Ein Tischler aus dem Ort restaurierte die erhaltenen Exemplare, und dort wo Türblätter nicht mehr zu retten waren, fertigte er neue an – die wertvollen alten Beschläge fanden dabei wieder Verwendung. Auch der Innenhof wurde neu gestaltet und lädt heute zum Verweilen ein. Eine Linde, die im Zuge der Sanierung gepflanzt wurde, spendet an heißen Sommertagen Schatten und verleiht dem Hof seine besondere Atmosphäre.

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Mit der Verblechung der Gaupe wurde diese optisch in den Dachbaukörper integiert.

Wohnraumerweiterung

Einige Jahre später stand die Wohnraumerweiterung in Richtung Garten an – das finale Highlight der schrittweisen Sanierung. Der Zubau wurde behutsam an den Bestand angefügt. Große Glasflächen öffnen den Blick in die weite Landschaft dahinter. Eine große Terrassentür verbindet Innen und Außen. Der gepflegte Garten mit seinen Gemüsebeeten lädt zum Gärtnern und Genießen ein. Im Inneren entstand ein großzügiger, offener Wohnraum mit Küche, darüber befindet sich eine Holzbrücke als Galerie, die als Homeoffice-Bereich und Bibliothek genutzt wird. Von hier oben eröffnet sich ein besonderer Ausblick. "An manchen Tagen sieht man sogar Rehe in der weiten Ferne", erzählt die Bauherrin. Dieser Blick über Felder und Wiesen macht das Homeoffice zu einem Ort, an dem Arbeiten und Naturerlebnis zusammenfinden.

Bei der Materialwahl standen Natürlichkeit und die Liebe zum Detail im Vordergrund: Eichenholzböden und die offene, lichtdurchflutete Wohnlandschaft sorgen für eine helle, freundliche Atmosphäre. Eine Fußbodenheizung, ein Holzofen und die zusätzliche Wandheizung bieten den Bewohnern einerseits ein angenehmes Wohnklima und anderseits den Vorteil, dass die alten Gemäuer in ihrer Substanz geschützt werden. Ein Ort zum Verweilen, an dem die Geschichte des Hofes spürbar bleibt.

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