Sanieren, umbauen, umnutzen: Wenn es darum geht, nachhaltiger zu planen und Ressourcen zu schonen, empfiehlt es sich, alten Gebäuden neues Leben einzuhauchen. Hinter den historischen Mauern des ehemaligen Salzamtes in Ybbs plante die Architektin Ingrid Albler eine Nachnutzung zu Wohnzwecken. Mit viel Fingerspitzengefühl wurden die zuvor leerstehenden Räumlichkeiten zu modernen Wohnungen umgebaut.
Das ehemalige Salzamt befindet sich, eingebettet zwischen der Donau und der schmalen Kirchengasse, inmitten des kleinen Donaustädtchens Ybbs. In wenigen Gehminuten ist der Hauptplatz im historischen Altstadtkern erreichbar und direkt vor dem Haus verläuft der Donauradweg entlang der idyllischen Flusslandschaft.

Die Geschichte dieses beeindruckenden Bauwerks ist vielseitig. Hier wurde ab dem 16. Jahrhundert der Salzhandel kontrolliert und die Maut dafür eingehoben. Ab dem Jahr 1871 zog die Ybbser Bürgerschule ein, wie auf der Plakette neben dem Hauseingang geschrieben steht, bevor es ab 1952 als Wohnhaus genutzt wurde. Vor der Renovierung waren die Spuren der Zeit am Gebäude klar ersichtlich: Bröckelnder Putz, Feuchteschäden, veraltete Installationen sowie schadhafte Fenster und Türen zeichneten die Baustruktur. Zudem stand das Haus jahrelang großteils leer, was den Zustand zunehmend verschlechterte. Um die Nachnutzung sowie den Erhalt des Gebäudes zu sichern, griff schlussendlich die Stadtgemeinde Ybbs ein. Die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Amstetten nahm sich dem Baudenkmal an. Heute sind hier 8 Wohnungen und eine Arztpraxis untergebracht. Die Wohnungsgrößen variieren zwischen 50 bis 100m². Ermöglicht durch die Wohnbauförderung sowie die finanzielle Unterstützung vom Land Niederösterreich und dem Bundesdenkmalamt.
Das ehemalige Salzamt erstreckt sich über drei Geschoße und stammt ursprünglich aus der Zeit der Spätgotik. Das Gebäude präsentiert sich mit einer schlichten Barockfassade. Auffällig sind die markanten Erker an allen vier Gebäudeecken sowie ein Mittelerker an der Straßenfassade. Über der Eingangstür befindet sich eine barocke Stuckkartusche, auf der das Ybbser Stadtwappen abgebildet ist. Die Fassadenrestaurierung wurde sorgfältig durchgeführt, wobei sämtliche Zierelemente in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten blieben. Die Fensteröffnungen sind mit Umrahmungen betont, wovon einige mit einer Verdachung ausgestattet sind. Nicht originale Kunststofffenster wurden entfernt und durch neue Kastenfenster ersetzt. Gleiches galt für die zahlreichen kaputten Fenster.


Die Innenräume sind mit Tonnengewölben, Stichkappen und Rundbögen ausgestattet. Bei der Sanierung hat man besonderen Wert darauf gelegt, die Eingriffe im Bestand möglichst gering zu halten. Um den Ansprüchen der neuen Wohnungen gerecht zu werden, wurden die Raumaufteilungen zum Teil neu angeordnet. Später eingesetzte Zwischenwände sind entfernt und durch neue Wände in Leichtbauweise ersetzt worden. Die alten Tram- bzw. Dippelbaumdecken bleiben unversehrt. Lediglich ein neuer Fußbodenaufbau musste errichtet werden.
Historische Türen wurden in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt teils im Bestand belassen oder ausgelöst und an einer anderen, geeigneten Stelle wieder eingebaut und restauriert. Die Türen im Treppenhaus bekamen eine kreative Sonderlösung: Um den Ansprüchen des Brandschutzes zu entsprechen, wurden kastenfensterartige neue Brandschutztüren vor oder hinter die historischen Türen gesetzt. So gelang es, die historischen Türen zu erhalten. Die gleiche Herangehensweise galt für die innenliegenden Stiegenhausfenster. Die Innenräume der Wohnungen sind mit Eichenböden ausgestattet, die für behagliche Wärme sorgen. Die prachtvollen Gewölbe verleihen den Wohnungen eine ehrwürdige Atmosphäre, während helle Oberflächen die Räume in zurückhaltender Eleganz erstrahlen lassen.
Schreiben Sie mir gerne. Ob Umbau, Sanierung oder Baukulturvermittlung – ich freue mich auf Ihre Nachricht.
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