Auf einen bestehenden Weinkeller in einem kleinen Dorf wurde geschickt ein Neubau in Holzbauweise aufgesetzt. Ganz im Sinne einer innerdörflichen Nachverdichtung. Dabei wurde großer Wert auf den Erhalt der ursprünglichen Bausubstanz gelegt.
Neusiedl an der Zaya, im Bezirk Gänserndorf, befindet sich im Hügelland des nordöstlichen Weinviertels. In der Ortschaft selbst leben gerade einmal 1300 Einwohner. Diese Abgeschiedenheit und landschaftliche Idylle des Ortes fand die Familie K. für ihren eigenen ländlichen Zufluchtsort besonders reizvoll. Zudem ist ihnen die Gegend sehr vertraut, da die Bauherrin selbst dort aufgewachsen ist. Auf ihre Kindheitserinnerungen blickt sie gerne zurück.
Das langgestreckte Grundstück wird im Norden von der Hauptstraße und im Süden von einer schmalen Gasse begrenzt und ist eingebettet in die gewachsene Dorfstruktur. Diese besteht aus einer streckhofartigen Bebauung. Das Elternhaus befindet sich „vorne“ an der Hauptstraße, wohingegen „hintaus“ umgebaut wurde, erklärt die Bauherrin. Sie selbst ist Raumplanerin und betont dabei die Wichtigkeit der innerdörflichen Nachverdichtung. Ein großes Anliegen war ihr dabei, die „leere Gasse“ neu zu beleben. Von dieser aus erreicht man das Sommerhaus. Über eine begrünte Terrasse gelangt man zum Eingangsbereich.

Da der vorgegebene Grundriss des Weinkellers samt Presshaus eine asymmetrische Form aufweist, ergibt sich ein schräger Verlauf der Traufenkante. Trotzdem ist es dem Architektenpaar Shibukawa Eder Architekten gelungen, dem Gebäude mit seiner Satteldachform ein zeitgemäßes Erscheinungsbild zu verleihen. Die harmonische Einbettung des Gebäudes in die Nachbarschaft war dabei ein wichtiger Aspekt. Weiters wurde auf die Kombination von Altem mit Neuem und gleichzeitiges Bewahren baulicher Traditionen des Dorfes besonders Wert gelegt. Mitunter ein Grund, weshalb ein einheitliches Erscheinungsbild entstehen sollte und weswegen die Blechverkleidung des Daches an den Außenwänden weitergezogen wurde.
Die gegebenen Grundmauern (Bestandsmauern) des Weinkellers definieren den Grundriss. Eine klare Linienführung im verwinkelten Bestand zu finden, war eine Herausforderung, betont der Architekt. Gelungen ist dies durch ein äußerst innovatives Konzept. Kurzerhand setzte man „einfach“ ein Haus in das Haus. In ersterem werden sämtliche Sanitärbereiche integriert. Links und rechts davon gelangt man zu den Kinderzimmern. Die Küche wird an der Stirnseite platziert und ist dem offenen Wohn- und Essbereich zugeordnet. Dieser bildet zugleich den Mittelpunkt des größeren Hauses. Eine imposante Raumhöhe lässt den Raum großzügig wirken. Am großen Küchentisch finden alle Familienmitglieder zusammen. Das Sitzfenster ist der Lieblingsplatz der Kinder. Auch die Bauherren verweilen hier gerne. Die erhöhte Lage ermöglicht, über die Dächer des Dorfes auf die dahinterliegende Hügellandschaft zu blicken.

Weiters bietet die Dachgalerie einen zusätzlichen Rückzugsort. Von dort aus behält man den Wohnraum gut im Überblick. Auf Stützen wurde verzichtet, beziehungsweise wurden diese geschickt in den Wänden versteckt. Schmale Zugbänder halten die Dachkonstruktion zusammen. Stauraum wird in maßgefertigten Schränken geschaffen, die beinahe unbemerkt in den Wänden verschwinden. Gleiches gilt für die Innentüren. Holzverschalungen in den Schlafzimmern sorgen für Behaglichkeit. Auf Gänge wurde weitgehend verzichtet. Auch die Sanitärbereiche sind schlicht gestaltet. Trotz der kleinen Dimensionen ist eine großzügige Atmosphäre spürbar.
Für die Familie ist das Sommerhaus ein Zufluchtsort, der im Kontrast zum hektischen Leben in der Großstadt steht. Klein, aber fein, etwas schräg, aber gefühlt großzügig, ganz nach ihren Vorstellungen.
Schreiben Sie mir gerne. Ob Umbau, Sanierung oder Baukulturvermittlung – ich freue mich auf Ihre Nachricht.
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