Mehr Leben statt Leere

Projekt
Ortszentrum Ober-Grafendorf
Eigentümer
SGP - Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Pielachtal
Planung
Architekt Mag. Arch. Thomas Tauber
Landschaftsplanung
DI Susanna Freiß / schumacher.schindl.freiß
Autorin
DI Barbara Reiberger
Fotos
Romana Fürnkranz
Drohnenfoto
Christoph Bertos
Erstveröffentlichung

Ortszentrum in Ober-Grafendorf

Ober-Grafendorf erfindet sich neu. Das gilt insbesondere für den Ortskern, der längst zu einem Aufenthaltsort avanciert ist. Versiegelte Asphaltbahnen wurden zu versickerungsfähigen Grünflächen mit Sitz- und Verweilmöglichkeiten. Neue Fuß- und Radwegeverbindungen wurden geschaffen, leerstehende Erdgeschoßflächen wieder mit Funktionen belebt und anstelle der einst grauen Fassaden ein Neubau namens „Ortszentrum“ errichtet, der ein Gesundheitszentrum sowie Geschäfts- und geförderte Wohnflächen miteinander vereint.

Knapp 4.600 Einwohner:innen zählt das Dorf. Ober-Grafendorf ist im Mostviertel gelegen, nahe der Landeshauptstadt St. Pölten und wird als „Tor zum Pielachtal“ bezeichnet. Die Ortschaft ist mit der Mariazellerbahn öffentlich gut erreichbar. Trotzdem ist die Ortschaft von einer stark befahrenen Bundesstraße mit Schwerverkehr geprägt. Keine leichte Aufgabe, dem Zentrum Wohlfühlcharakter, Wohnqualität und Aufenthaltswert zu verleihen. Eine Herausforderung, der man sich dennoch angenommen hat, um einem langsam aussterbenden und leeren Ortskern entgegenzuwirken.

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Das neue Ortszentrum mit belebtem Hauptplatz.

Bevölkerung miteinbinden

Mit den Vorarbeiten zur Zentrumsentwicklung wurde bereits 2014 begonnen. Anhand einer Befragung wurden die Bedürfnisse der Bewohner:innen ermittelt. Die Ergebnisse wurden zusammen mit einem Verkehrskonzept zu einem Masterplan zusammengefasst. Daraus resultierend wurde das „Ortszentrum“ samt Platzgestaltung errichtet. Insgesamt 33 barrierefrei ausgestattete sowie geförderte Wohnungen, davon 8 betreute Wohneinheiten, 6 Geschäftslokale, Café, ein teilgefördertes Gesundheitszentrum mit Gruppenpraxisräumen, Ordinationen und Therapiebereichen sowie eine Tiefgarage für 78 PKW-Stellplätzen werden auf rund 4.020 Quadratmeter (Nutzfläche) geboten. Somit verbindet die Wohnhausanlage geschickt ein innovatives Gesamtkonzept mit öffentlichen als auch privaten Nutzungen.

Das Gebäude wurde an der östlichen Grundgrenze zur geschlossenen Bebauung der Hauptstraße eingegliedert. Die Formgebung des Baukörpers ist somit an den Straßenverlauf angepasst und verjüngt sich nach hinten. Zudem wurde südseitig ein Riegel angebaut, in dem ausschließlich Wohneinheiten untergebracht sind. Im massiven Kopfbau zur Straße sind die öffentlichen Nutzungen situiert, die allesamt vom Hauptplatz begehbar sind. Das 1. Obergeschoß wurde an der Grundgrenze errichtet, alle weiteren Geschoße sind etwas zurückgesetzt bzw. gestaffelt. Dadurch ergibt sich ein witterungsgeschützter Bereich, der einem zugutekommt, wenn man von Geschäft zu Geschäft flaniert. Die gesamte Erdgeschoßzone ist verglast, womit dem Gebäude ein schwebender Charakter verliehen wird. Rücksprünge nach oben lassen zudem die Gesamtform des Gebäudes leichter wirken und schaffen private Außenbereiche. Die schlichte und helle Putzfassade lässt den Neubau zeitlos wirken. Fensterbänder aus Glas- und Holzelementen bilden eine horizontale Gliederung in der Fassade.

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Alt und Neu: Das Ortszentrum neben historischer Bausubstanz.

Anpassung Klimawandel

Ausgehend von der dominierenden Gestalt und Lage des schlichten Neubaus wurde der Hauptplatz neu gegliedert. Um den heutigen Ansprüchen des Klimawandels gerecht zu werden, wurde die Platzgestaltung dahingehend ausgelegt. Der Hauptplatz wurde von der Firma GREENPASS auf seine Klimawirksamkeit überprüft. Verschiedenste Simulationen wurden dabei durchgeführt. Die neu errichteten Grünflächen wurden mit einem versickerungsfähigen Boden ausgestattet, der zugleich das Oberflächenwasser vor Ort speichert und für Pflanzen wieder verfügbar macht. Ziel war es unter anderem, auch möglichst viele unversiegelte Flächen zu schaffen. Auf Asphalt wurde weitgehend verzichtet. Dieser kam nur im Bereich der stark befahrenen Straße zum Einsatz. Fuß- und Radwege wurden mit Pflasterplatten im Sandbett befestigt. Die Pflasterplatten weisen einen hohen Anteil an Weißzement auf, der die Erhitzung des Belages verringert. Zudem wurden auch versickerungsfähige wassergebundene Decken verbaut und Stellplätze mit Rasengittersteinen ausgestattet.

Die Platzgestaltung ist multifunktional geplant und somit für kleinere als auch größere Veranstaltungen adaptierbar. Im Winter der Weihnachtsmarkt mit kleinen Standln, bis hin zum imposanten Dirndlkirtag samt Festzelt. Ein beliebter Aufenthaltsort ist auch die berankte Pergola, Bei Bedarf verschafft Sprühnebel zusätzliche Abkühlung. Auf Knopfdruck lassen sich die Nebelanlagen bedienen. Maßnahmen, die Hitzeinseln in bebauten Gebieten reduzieren und den Aufenthaltscharakter stärken.

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