Historisches Gebäude im Wandel

Projekt
Altes Eichamt in Mödling
Eigentümer
mangold [architektur]
Planung
mangold [architektur]
Autorin
DI Barbara Calas-Reiberger
Fotos
Wolfgang Spekner (www.spekner.com)
Erstveröffentlichung

Altes Eichamt in Mödling

Wo einst die Feuerwehr ihre Pferdegespanne und Schläuche unterbrachte, später präzise Messgeräte geeicht wurden und zuletzt ein Lager bestand, pulsiert heute neues Leben. Das ehemalige Eichamt, zunächst ein unscheinbares Gebäude am Schöffelplatz in Mödling, hat eine bemerkenswerte Geschichte durchlebt.

Um 1880 befand sich die Vorstadt Schöffel noch außerhalb des Stadtgebiets von Mödling und wurde erst später eingemeindet. Zu dieser Zeit entstanden dort wichtige öffentliche Einrichtungen wie ein Schulgebäude, ein Polizeiwachzimmer sowie auch die Feuerwehrremise. Letztere war in ein Gebäudeensemble eingebettet, das aufgrund der ein- und ausfahrenden Löschfahrzeuge mit zwei großen Toren versehen wurde. Trotz baulicher Adaptierungen musste die Feuerwehr, aufgrund der rasanten Entwicklung Mödlings, bereits nach kurzer Zeit umziehen.

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Das ehemalige Einfahrtstor ist heute eine große Fixverglasung, die viel Licht ins Innere bringt.

Gebäude im Wandel

Ab 1921 fand das Eichamt in den freigewordenen Räumlichkeiten sein neues Zuhause. Unter dieser Namensgebung ist das Gebäude auch heute noch bzw. wieder bekannt. Hier wurden Waagen, Messbecher und andere Geräte auf ihre Genauigkeit geprüft, um den fairen Handel in der Stadt zu garantieren. Über 40 Jahre war es damit wichtiger Bestandteil des Zentrums in der Schöffelstadt.

„Mit dem Auszug des Eichamtes in den 1960er Jahren geriet das Gebäude in Vergessenheit. Das ehemalige Eichamt wurde zum Lager, die anderen Gebäudeteile wurden zu Wohnungen umgebaut.“, erklärt die Architektin.

Umdenken, umbauen, umnutzen

Mit viel Liebe zum Detail und architektonischem Fingerspitzengefühl ist es mangold[architektur] gelungen, einem ehemals nicht wertgeschätzten Gebäudeteil neues Leben einzuhauchen und so einen wertvollen Beitrag zur innerstädtischen Entwicklung zu leisten. Trotz energetischer Ertüchtigung blieb das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebäudes weitgehend erhalten. Das Ziegelmauerwerk und die bestehende Tramdecke erhielten jeweils eine Innendämmung. Die erdberührende Bodenplatte wurde mit einer Dämmschüttung versehen und zusätzlich mit einem Heizestrich ausgestattet. Eine regulierte Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt für ein optimales und gleichzeitig energieeffizientes Raumklima. Die alten Holzfenster und -türen wurden durch neue ersetzt. Die Putzfassade erstrahlt in dezentem Hellgrau, gekonnt akzentuiert durch weiße Details an Traufgesims, Fenstern und Türlaibungen.

Fenster statt Feuerwehrtore

Beim Umbau des ehemaligen Lagers zur Büroeinheit standen die Architekten vor der Herausforderung, Licht in das dunkle Erdgeschoss zu bringen. Die ehemals eingebauten alten Feuerwehrtore an der Nordostfassade wurden deshalb durch bodentiefe Fenster ersetzt. Diese ermöglichen nun einen großzügigen Lichteinfall und schaffen gleichzeitig eine angenehme Arbeitsatmosphäre im Inneren. Das linke Fenster wurde mit einer Eingangstür ausgestattet und ermöglicht somit einen straßenseitigen Zugang.

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Vorhänge als flexible Raumteiler.

Der Empfangsbereich ist zentral angeordnet. Von dort aus gelangt man zum Gemeinschaftsbüro, das Platz für sieben Arbeitsplätze bietet, zum Besprechungsraum, zur Küche und zu den beiden Toiletten. Die Küche ist zum Gemeinschaftsgarten ausgerichtet und bietet einen Ort der Entspannung und des Austauschs sowie einen barrierefreien Ausgang.

Die Innenräume zeichnen sich durch ein harmonisches Zusammenspiel von ökologischen Materialien und zeitlosem Design aus. Farbige Akzente mit umweltfreundlicher Lehmfarbe verleihen den Wänden eine lebendige Note. Geschliffener Estrich bildet den Bodenbelag. Ein Schienensystem mit Vorhang fungiert als flexibler Raumteiler. Zusätzlich zoniert ein beinahe raumhohes Regal aus Kiefernsperrholzplatten den Eingangs- und Arbeitsbereich, der Großraum kann so bei Bedarf unabhängig voneinander genutzt werden. Eine abgehängte Decke aus sägerauen Holzbrettern, hinterlegt mit Vlies, sorgt für eine angenehme Akustik, sodass ein gemeinsames Arbeiten gut möglich ist und beispielsweise auch kleine Musikproben und Abendveranstaltungen stattfinden können.

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