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die Textilfabrik

Pro­jekt
Leer­stands­ak­ti­vie­rung der ehe­ma­li­gen Strick­wa­ren­fa­brik Hirschbach
Ort
Hirsch­bach / NÖ
Initia­to­ren
Bar­bara Calas-Rei­ber­ger, David Calas
Fotos
Sven Wut­tej, Chris­toph Klein­sas­ser, Bar­bara Calas-Reiberger

Leerstandsaktivierung der ehemaligen Strickwarenfabrik Hirschbach

Fährt man heute ins nörd­li­che Wald­vier­tel, las­sen sich, aus­ge­stat­tet mit genü­gend Infos, Teile der tex­ti­len Land­schaft erkun­den. Den­noch ist der Groß­teil der „Tex­tilin­fra­struk­tur“, bis auf drei Museen, unsicht­bar gewor­den. Eines die­ser „unsicht­ba­ren“ Objekte befin­det sich ent­lang der Franz-Josefs-Bahn in Hirsch­bach, Gemeinde Gmünd. Die Strick­wa­ren­fa­brik Hirsch­bach und vor­ma­lige Webe­r­ei­ge­nos­sen­schaft (Lei­nen- und Baum­woll­we­be­rei, Strick­fa­brik) liegt sie­ben Geh­mi­nu­ten vom Bahn­hof ent­fernt im Dorf­zen­trum. Sie fällt durch ihre unver­hält­nis­mä­ßige Größe zu den rest­li­chen Gebäu­den im Umkreis auf.

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Schichten an Geschichte

Das Gebäude selbst wurde in der zwei­ten Hälfte des 19 Jh. errich­tet, vor dem 1. Welt­krieg auf­ge­stockt und unter ande­rem als Genos­sen­schafts­ge­bäude für Heim­we­ber genutzt. Die Infra­struk­tur sollte für Sta­bi­li­tät im kon­kur­rie­ren­den Busi­ness der Heim­we­be­rei sor­gen. Den­noch blieb die Kon­kur­renz zu groß, die Wir­ren der Geschichte zu nahe und die aus­beu­te­ri­sche Dyna­mik rund um das Tex­til untrag­bar. An Bau­sub­stanz sowie Aus­füh­rung wurde jedoch nicht gespart. Mit­un­ter ein Grund, wes­halb sich das Gebäude nach über 150 Jah­ren und Besitzer:innenwechsel in einem pas­sa­blen Zustand befin­det. Das Gebäude ver­eint Pro­duk­ti­ons­räume, Wohn­räume, Stall und Scheu­nen sowie weit­läu­fige Innen­höfe. Inter­es­sant ist die­ses hybride Zusam­men­spiel: Der Bau fun­gierte nicht nur als Pro­duk­ti­ons­stätte, son­dern bot auch Raum zum Woh­nen und für eine selbst­ver­sor­gende land­wirt­schaft­li­che Nut­zung. In den letz­ten Tagen der Strick­wa­ren­fa­brik, bevor sie am 23.09.1966 ihre Pfor­ten schloss, wur­den Socken und Hand­schuhe für das öster­rei­chi­sche Heer produziert.

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Was soll in der alten Textilfabrik passieren?

Nach­dem die Geschichte des Gebäu­des und der Tex­til­ge­schichte des Wald­vier­tels auf­ge­ar­bei­tet war, stellte sich die zen­trale Frage: Was soll in der alten Tex­til­fa­brik pas­sie­ren? Um diese zu beant­wor­ten, wurde die lokale Bevöl­ke­rung aktiv in die Leer­stands­ak­ti­vie­rung ein­ge­bun­den. Ver­schie­dene Betei­li­gungs­for­mate wur­den ent­wi­ckelt – dar­un­ter eine Umfrage und ein Ideen­büro. Die Ein­be­zie­hung war bewusst gewählt: Men­schen wer­den Teil des Pro­zes­ses, Wert­schät­zung ent­steht durch Betei­li­gung. Die Ergeb­nisse geben einen Über­blick über die Bedürf­nisse vor Ort.

Zwischennutzung

Seit 2022 sind die Pfor­ten der Fabrik für Zwi­schen­nut­zun­gen in den war­men Som­mer­mo­na­ten geöff­net. Den Anfang macht der alte Maschi­nen­raum mit sei­nem unver­wech­sel­ba­ren indus­tri­el­len Cha­rak­ter – er dient als Raum für Kunst und Kul­tur: Aus­stel­lun­gen, Foto­shoo­tings, Work­shops und Vor­träge fin­den seit­her hier statt.

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Wohn | Events Sommer 2025

Mit Unter­stüt­zung der Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wohn­bau­for­schung wurde der Frage nach­ge­gan­gen: Wie lässt sich gemein­schaft­li­ches und leist­ba­res Woh­nen für junge und jung­ge­blie­bene Men­schen in groß­vo­lu­mi­gem Leer­stand rea­li­sie­ren? Über die Som­mer­mo­nate 2025 ent­stan­den ver­schie­dene Wohn- und Ken­nen­lern­for­mate, die in der ehe­ma­li­gen Tex­til­fa­brik einen offe­nen Raum des Aus­tauschs schu­fen. Kul­tu­relle Begleit­ver­an­stal­tun­gen zu den The­men Woh­nen, Wohn­um­ge­bung und Wohn­vi­sio­nen ergänz­ten das Programm.

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Rethink, Reuse, Renovate

Im Rah­men des FFG-For­schungs­pro­jekts „Tex­til-RE-acts“ ent­steht ein Real­la­bor für gemein­schaft­li­ches Woh­nen und Arbei­ten. Das geschichts­träch­tige Gebäude wird saniert und zu einem gemein­schaft­lich getra­ge­nen Lebens- und Kul­tur­ort – eine nach­hal­tige Alter­na­tive zum Ein­fa­mi­li­en­haus-Neu­bau ohne zusätz­li­chen Bodenverbrauch.

Im Zen­trum ste­hen wohn­in­ter­es­sierte Men­schen, die der­zeit in einem Mode­ra­ti­ons­pro­zess invol­viert sind. Die Sanie­rung ori­en­tiert sich an den Prin­zi­pien des New Euro­pean Bau­haus: Nach­hal­tig­keit, Ästhe­tik und Inklusion.

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